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Autor John Phillip Starck

Geschichte schreibt Geschichten

Leseprobe

Thriller/Krimi
Blutgruppe 30
Blutgruppensystem 002:
MNS
Der Österreicher und aus Wien stammende Arzt Karl Landsteiner beschrieb im November 1901 seine Entdeckung der verschiedenen Blutgruppen. Das von ihm dargelegte ABO System wurde 1928 von der Hygienekommission des Völkerbundes dazu ausgewählt um die Blutgruppen auf der ganzen Welt einheitlich bezeichnen zu können.
Prolog
Montag, 02. Oktober
Morgens
Es war noch nicht einmal fünf Uhr morgens als Detektiv Forrest Waterspoon durch die Einsatzzentrale geweckt und zu der Fundstelle einer Leiche beordert wurde. Als er vor Ort im alten Bostoner Hafen am Mystic River eintraf wurde er von seinem Partner, mit dem er erst seit wenigen Wochen zusammenarbeitete, empfangen. Der Detektiv war noch gar nicht aus seinem alten Ford ausgestiegen, als Officer Henry McClure ihn mit einem lächerlich bunten Regenschirm in der Hand unausgeschlafen wirkend begrüßte. Ein anonymer Anrufer, so viel wusste Forrest bereits, hatte sich beim Police Departement gemeldet und die Stelle ausführlich beschrieben an der die Leiche einer jungen Frau gefunden werden konnte. 
Forrest begab sich in dem strömenden Regen, gefolgt von Henry, zum naheliegenden Flussufer und ging neben einem gleichaltrigen Mann in die Hocke. Er sah sich wie der Pathologe das Opfer an. Über der Leiche war eine Plane aufgespannt worden. Ein kleiner, rundlicher, auf einem dreibeinigem Stativ befestigter Scheinwerfer erleuchtete ihren zarten, nassen und vollkommen nackten Körper. Die langsam einsetzende Morgendämmerung hatte nicht die Macht sich gegen den grauen Himmel durchzusetzen und die Regentropfen wirkten wie Tränen, die jemand aus Trauer um die auf dem Bauch liegende Tote vergoss. Wie die suchenden Augen des Pathologen sah auch Forrest zunächst keine sichtbaren Verletzungen an dem leblosen und nackten Frauenkörper. Henry McClure, den er eher mitschleppen und behüten musste, stand mit seinem grotesken Regenschirm neben ihnen und sah zu wie der Pathologe das Opfer umdrehte. Ohne ein Wort wandte er sich von dem Leichnam ab und rannte einige Meter am Flussufer entlang um sich zu übergeben. 
Der Pathologe begutachtete die Leiche mit der Hilfe von einer Taschenlampe intensiver und deutete nach einigen Sekunden auf den Bauch und den Arm des leblosen Körpers. Forrest Waterspoon hatte die Einstiche in den Ellenbogen und die Nähte inmitten ihres Oberkörpers ebenfalls registriert. Die Frau sah aus als ob sie bereits obduziert worden wäre. Die Augen von Detektiv Forrest Waterspoon wanderten zu den Streifenpolizisten die verdrossen und gelangweilt dafür sorgten das niemand in die Nähe der Leiche kam und als Dank dafür vom Regen durchnässt und dem Wind gepiesackt wurden. Der beißende Wind ließ die Männer vor Kälte erzittern und schubste ihre Körper hin und her als ob er sagen wollte das man hier überflüssig war und sofort zu verschwinden hatte. Die Regenmäntel versuchten sie zwar zu schützen, aber sie konnten nicht verhindern das sich das Regenwasser über die breiten Ärmelenden und den zu weiten Krägen seinen Weg bis an die Haut bahnte. Forrest wusste das die Arbeit der Polizisten undankbar war und verstand ihre Gemütslage, denn zu ihrem Verdruss war weit und breit keine einzige Menschenseele zu sehen. Er wandte sich wieder Neil Sesse zu, der sich ebenfalls aufgerichtet und die Tote mit einem Tuch abgedeckt hatte. Forrest schätzte den Pathologen und dessen Arbeit, wusste das er auf seinem Gebiet eine Kapazität war. „Und?“, wollte der Detektiv eine erste Analyse von ihm haben.
Neil Sesse zuckte mit den Schultern. „Auf den ersten Blick würde ich sagen das die Frau ungefähr sechs bis acht Stunden tot ist. Mehr kann ich dir erst nach der Obduktion sagen!“
Der Detektiv sah auf die Leuchtziffern seiner Armbanduhr. Seine schlechte Laune vergrößerte sich. „Also trat der Tod auf jeden Fall gegen Mitternacht ein“, rechnete er die Uhrzeit zurück und erhielt eine zustimmende Geste des Pathologen. „Unabhängig der Nähte und der Nadeleinstiche“, deutete er auf die abgedeckte Frauenleiche, „wie ist sie gestorben?“ Forrest drehte sich zu dem Pathologen. „Ich habe keine Verletzungen gesehen die auf einen Mord hindeuten.“
„Ich habe keine Ahnung“, gab Neil Sesse zu und knipste die kleine Taschenlampe in seiner Hand aus. Die Aktion unterstrich seine Worte eindrucksvoll.
„Wann kann ich mit Ergebnissen rechnen?“ fragte der Detektiv und legte einen erwartungsvollen Blick auf den Pathologen.
Der Pathologe antwortete vorsichtig abwägend: „Bei dem Zustand des Opfers frühestens heute Abend, spätestens morgen früh“, gefiel ihm die eigene Wortspielerei.
Forrest bedankte sich für die Information und wandte sich von Neil und der Toten, die zum Abtransport vorbereitet wurde, ab. Er schritt seinem Partner entgegen, der etwas unsicher auf ihn zukam. Sein unerfahrener Kollege sah elendig aus, daran konnte auch das schicke Outfit das er trug nichts ändern. Die Jugend von Heute bereitete dem Detektiv, selbst ein dreifacher Vater, immer wieder ungeahnte und große Kopfzerbrechen. Sie stellte ihn manchmal vor große Rätsel, überraschte ihn, zu seinem Bedauern selten positiv. Als er und Henry McClure sich gegenüberstanden drehte er sich noch einmal um. Er konnte die Leichen die er bis jetzt in seiner Karriere gesehen hatte nicht mehr zählen, an die meisten sich zum Glück gar nicht mehr erinnern. Der Anblick der Toten war unangenehm und doch irgendwie mitleiderregend. Ihre Nacktheit drückte eine gewisse Unschuld und Wehrlosigkeit aus. Als sie am Flussufer angekommen waren riss das tosende Wasser des Mystic River ständig an ihren Beinen die in das Wasser ragten, es schien als ob die Strömung des Flusses die leblose Frau aufwecken wollte, sie anschrie aufzustehen und zu leben.
Das Wetter wurde mit jeder Sekunde unangenehmer, die Kälte, die der Wind scheinbar mit voller Absicht aus Norden herbei wehte, ließ die ohnehin für diese Jahreszeit niedrige Temperatur deutlich kühler erscheinen als sie tatsächlich war. Die Regentropfen fielen durch die gelegentlich auftretenden Windböen seitlich zur Erde und bekamen dadurch eine Wirkung wie sie kleine, feine Nadelstiche hervorrufen. Die Tote am Ufer des Mystic River machte den kalten, nassen und trüben Tag noch schlechter als er es wettermäßig ohnehin schon war. Die Silhouetten der Stadt, die Flussaufwärts lag, waren eingehüllt in Wolken und Dunst. Der Herbst und das Leben, vor allem jedoch in diesem Moment der Tod, zeigten sich an diesem frühen und durch die Frauenleiche geradezu frostig empfundenen Oktobermorgen von ihrer unangenehmsten und schrecklichsten Seite. Vielleicht war das der Grund das selbst die Presse sich bis jetzt nicht sehen gelassen hatte. In diese verwahrloste und heruntergekommene Gegend verlief sich ohnehin kaum einmal eine Menschenseele. 
Das alte Hafenviertel von Boston war ein trostloser, verlassener und äußerst dreckiger Fleck Erde und wurde durch die Ruinen der Lagerhäuser und Hallen sowie der hier stillgelegten Reedereien und Werften geprägt. Die Betriebe waren näher an die Stadt gezogen um die Vorteile der sich ständig erweiternden und besseren Infrastruktur nutzen zu können. Der Hafen hatte sich vollkommen verändert, er war in seinen Ausmaßen deutlich gewachsen, er war viel moderner und in allen Bereichen der Zeit und den Bedürfnissen der Schifffahrt angepasst worden. Jetzt boomte der Hafen regelrecht und gehörte zu den größten an der amerikanischen Ostküste. Die alte Hafengegend hatte sich durch die Umbaumaßnahmen in Laufe der Jahre immer weiter von der Stadt entfernt. Schließlich, trotz einigen historischen Plätzen aus dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert, geriet das Gebiet in eine Art Isolation und in Vergessenheit. Die Geschäfte im neuen Hafen waren sehr viel wichtiger als die Vergangenheit. Der alte Hafen bot einen traurigen Anblick, er lag verwahrlost da, glich praktisch einer Geisterstadt die etwas unheimliches, beinahe etwas gespenstisches an sich hatte. Es stand außer Frage, wenn hier außer den Ratten sonst jemand unterwegs war, dann handelte es sich um Menschen die wie die Hafengegend ins Abseits geraten waren und bei ihnen handelte es sich um Drogensüchtige, Obdachlose, Dealer, Ganoven aller Art und  Alkoholiker.
Forrest beobachtete wie die Gerichtsmediziner die zum Abtransport vorbereitete Tote empor hoben und davon trugen. Schließlich sah er auf die Stelle wo sie gelegen hatte. Mit ausgestreckten Armen war sie neben einer Betonplatte, möglicherweise einem Bruchstück einer Anlegestelle, von jemanden, wahrscheinlich ihrem Mörder, abgelegt worden. Ihr Körper wurde von der Strömung gegen die Betonplatte gedrückt und ihre Beine trieben in dem an ihr beharrlich reißendem Wasser. 
Die Männer von der Spurensicherung waren aufgrund des Wetters praktisch arbeitslos, der Regen hatte alle Spuren, falls es überhaupt welche gegeben hatte, im Nu weg gewaschen. Forrest bemerkte dass er fror und zitterte. Er war sich nicht sicher was ihm mehr zusetzte, die Kälte oder die Leiche. Womöglich bebte sein massiver Körper aus beiden Gründen. Er griff in die Innentasche seines Mantels und holte sich eine Zigarre hervor. Das Rauchen von Zigaretten hatte er aufgegeben, stattdessen gönnte er sich gelegentlich, auch während dem Dienst, eine dicke Zigarre. Schon nach dem ersten Zug wurde ihm wärmer und nachdem zweiten fühlte er sich bereits etwas wohler in seiner Haut. Er fühlte sich nicht gut, nur eben besser als zuvor. Er blickte zu Henry. Sein Kollege sah zwar wesentlich gefasster aus als vor wenigen Minuten, dennoch stellte sich der Detektiv die Frage was der junge Mann eigentlich bei der Polizei wollte? 
Henry hatte mit vielen Anforderungen in diesem Beruf Probleme und stellte sich oft ziemlich ungeschickt an. Diese Schwächen die in gewissen Situationen ihm und ihnen sehr gefährlich werden konnten waren offensichtlich. Er schaltete oft sehr naiv, sah das Böse auf der Welt mit kindlichen Augen da er scheinbar immer noch an das Gute im Menschen glaubte und benützte dementsprechend seinen Verstand. Auf eine gewisse Art und Weise war Henry McClure für den Polizeidienst seelisch zu zart besaitet. Henry war mittelgroß, in der Statur schlank und im Gesicht geradezu knabenhaft. Er hatte neugierige, ständig suchende braune Augen, die allerdings erst etwas erkannten und sahen wenn sie von einer Harry Potter Brille bedeckt wurden. Dem Detektiv war es schleierhaft wie es Henry mit diesen körperlichen und moralischen Voraussetzungen geschafft hatte in den Polizeidienst aufgenommen zu werden. Er vermutete das Henry über sehr gute Verbindungen und Fürsprecher verfügte und sah sich durch den Umstand bestätigt, das Henry nicht nur besonders gut, sondern stets wahrhaft exzellent angezogen zum Dienst erschien. Er selbst konnte die Anzüge wie Henry sie trug sich mit seinem Gehalt nicht leisten. 
Forrest hatte schroffe, kantige, wie Leder gegerbte Gesichtszüge, sein Haar war mit seinen vierundfünfzig Jahren zu Recht angegraut und deswegen sah er deutlich älter aus als er in Wirklichkeit war. Sein Hut, den er seit vielen Jahren trug, tat sein Übriges dazu. Es gab Kollegen die der Meinung waren das er mit der Kopfbedeckung nicht nur schlief, sondern mit dem Hut, der eine Art Markenzeichen von ihm war, zum Duschen und in die Badewanne ging. Solche Aussagen fielen jedoch nicht in der Gegenwart des Detektivs, denn Forrest war zwar bei seinen Kollegen beliebt, jedoch nicht als ein Spaßvogel und Kommunikationsgenie bekannt. Er galt innerhalb der Behörde als ein kooperativer Einzelgänger, der gern in Ruhe gelassen werden wollte. Für seinen Partner Henry waren das keine idealen Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit. Der Detektiv war seit dreiunddreißig Jahren glücklich verheiratet und Vater von zwei leiblichen Kindern sowie einer Adoptivtochter. Forrest war ein erfahrener Polizist, seit sechsunddreißig Jahren befand er sich im Dienst, achtzehn Jahre im Rang eines Detektivs. Zwei Mal hatte er eine Beförderung zu einem höheren Dienstgrad abgelehnt, denn er wollte nichts anderes als ein Detektiv sein und auf keinen Fall wegen einer höheren Position zu einem trägen Schreibtischhengst verkommen. Sein Arbeitsgebiet war die Straße, egal wie dreckig sie auch sein mochte. In seinen ersten Dienstjahren war er zwischen den Vorstädten von Boston und den Abteilungen hin und her geschoben worden, hatte erste Erfahrungen bei der Sitte und der Drogenfahndung gemacht, dort ebenso das Leid, den Schmerz und Tod gesehen. Inzwischen war er fünfzehn Jahre für das Bostoner Morddezernat tätig. Das größte Wissen das Forrest sich seiner Meinung nach in den vielen Jahren angeeignet hatte war die Erkenntnis dass es absolut gleichgültig war in welcher Abteilung er seinen Dienst versah, das Elend und Leid, der Schmerz und der Tod blieben immer gleich, stets gleich schwer, stets gleich grausam.
Der Detektiv, dessen Augen stets in eine nicht vorhandene Leere zu blicken schienen, wandte sich wieder dem Fundort der Leiche zu. Wie war das Opfer hierher gekommen? Wer war die Frau? Er machte eine Geste mit seinem Kopf und deutete Henry McClure damit an ihm zu folgen. An diesem Ort gab es nichts mehr zu tun, außer sich zu freuen ihn verlassen zu können. Was jetzt zu tun war lag auf der Hand. Als erstes musste die Identität der Toten ermittelt, danach ihr Leben und Umfeld durchleuchtet werden. Eines stand bereits fest, schlechter konnte ein Montagmorgen nicht beginnen. Er wies Henry an ins Departement zu fahren, stieg betrübt in seinen Wagen, öffnete das Fahrerfenster einen Spalt und sog an seiner Zigarre. Bevor er den Motor startete und sich auf den Weg in sein Büro machte versuchte er vergeblich für einige Minuten an gar nichts zu denken.
Seine dunkle Hautfarbe war mit ein Grund für eine alles andere als unbeschwerte Kindheit und Jugend gewesen, ebenso der Stadtteil in dem er aufgewachsen war und der damals diesem Fleck Erde den sie gerade verließen durchaus glich. Vor all dem Bösen, dem Leid, dem Schmerz und dem Tod, versuchten er und seine Frau Betty ihre leiblichen zwei Kinder, beides Töchter und ihre Adoptivtochter, zu beschützen. Er und Betty wussten dass dieses Unterfangen ein Ding der Unmöglichkeit war, sie konnten nur ihr Bestes tun, aber nichts verhindern. Das Leid, der Schmerz und der Tod waren stets präsent, egal in welcher Form. Ebenso nach wie vor der Rassenhass und die Intoleranz gegenüber anderen, vor allem anders aussehenden sowie hinterfragenden Menschen, außer man war in manchen Fällen weißer Hautfarbe.
Forrest dachte während der Fahrt zum Revier über das Opfer nach. Wie alt mochte sie gewesen sein? Wer war sie und woher kam sie? Vermisste sie jemand? Er schätzte sie auf keine dreißig Jahre, eher Mitte Zwanzig und schon tot! Für ihn gab es keinen Zweifel, obwohl er sich es anders wünschte, die junge Frau war definitiv das Opfer einer Gewalttat. Der anonyme Anruf in der Zentrale war für ihn der Beweis dafür, doch mit welcher Art von Kapitalverbrechen er es zu tun hatte konnte er überhaupt noch nicht einordnen. War es Vorsatz, Fahrlässigkeit oder Amok? Wer war der Anrufer und welchen Bezug hatte er zu der Frau gehabt, war er am Ende sogar der Schuldige für ihr Ableben? Fragen über Fragen und die, sowie sein Bauchgefühl und seine langjährige Berufserfahrung verhießen ihm nichts Gutes. 
Er sollte sich nicht täuschen!
Ende der Leseprobe


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